Mundschutz zum Selberbauen

22. März 2020

Sie haben keine Lust mehr, immer nur Schreckenszahlen im Fernsehen zu verfolgen? Ihnen ist langweilig in der sozialen Isolation? Sie möchten etwas für sich und für andere tun? Sie fragen sich, warum Politiker bei der Amtseinführung in der Slowakei einen Mundschutz tragen, wie auch scheinbar alle Chinesen, und Sie haben keinen?
Vielen Menschen geht es so wie Ihnen, viele werden auch kreativ. Im Internet finden sich verschiedene Bauanleitungen für Gesichtsmasken, in den Medien werden sogar welche aus den Cups eines BH gebaut.

Die Stadt Essen hat in Ermangelung kaufbarer Mundschutzmasken ersatzweise eine Anleitung für einen Mundschutz zum Selberbauen ins Internet gestellt und lässt auch selbst welche herstellen (Sie finden sie leicht, wenn sie nach den Begriffen „Essen“ und „Maske“ suchen). Wie Sie sehen, habe ich die Anleitung ausprobiert. Genau genommen hat meine 13-jährige Tochter sie ausprobiert – vielen Dank an dieser Stelle an sie! Aber ich habe den Mundschutz schon getestet: er trägt sich hervorragend.

Was kann so ein Mundschutz (sog. community-Maske) in einer Zeit, in der es sehr schwierig ist, einen Mundschutz zu kaufen, leisten? Er vermeidet ein Gefühl der Hilflosigkeit, man kann aktiv etwas machen, wenn man sich einen baut. Das ist gut und macht Spaß. Aber jeder sollte sich auch bewusst machen, dass ein solcher Eigenbau keinen nachgewiesenen, sicheren Schutz vor Coronaviren bietet. Das leisten heute nur sehr spezielle Masken, wie sie in der medizinischen Versorgung eingesetzt werden. Er darf also auf keinen Fall dazu verleiten, andere Maßnahmen wie Hände waschen, Distanz einhalten oder Kontakte vermeiden zu vernachlässigen. Und er sollte nur dann verwendet werden, wenn ein zertifiziertes Produkt nicht zur Verfügung steht. Das heißt aber nicht, dass er sinnlos sein muss. Wie die vielen Staubschutzmasken aus dem Baumarkt oder die Einmalmasken aus dem OP, die man heute im Einsatz sieht, kann er vielleicht einen Beitrag dazu leisten, dass beim Husten weniger Tröpfchen in die Gegend geblasen werden. Wie hoch der Beitrag ist, wissen wir nicht. Wenn er aber nicht unvorsichtig macht, ist er vielleicht gar nicht schlecht. Wenn Sie eine OP-Einmalmaske ergattern, vielleicht wollen Sie die kombinieren und behalten ihr individuelles Gesicht in der Öffentlichkeit? Wir wissen nicht, was der ideale Weg ist, wie so oft in der Corona-Zeit.

Um es noch einmal ganz klar zu sagen: es handelt sich bei dem Essener Modell um einen wieder verwendbaren, waschbaren Eigenbau, den jeder Träger auf eigene Verantwortung privat nutzt. Es ist weder ein getestetes oder zertifiziertes Medizinprodukt noch Teil einer Schutzausrüstung. Er sollte nur dann genutzt werden, wenn kommerzielle Produkte im Handeln nicht verfügbar sind. Und ganz sicher ist er auch kein Schutz, der beim Umgang mit positiv-getesteten Menschen genutzt werden darf. Wenn ihn aber möglichst viele Menschen beim (Rest-)Kontakt mit anderen in der Öffentlichkeit tragen, kann man sich schon vorstellen, dass er das Risiko einer Tröpfcheninfektion verringern kann.

Und ja, man kann auch einen an seine Nachbarpatientin verschenken. Und schon ist die Isolation wieder ein Stück kleiner. Auch das kann heute viel bedeuten. Finden Sie Ihren individuellen Weg!

Liebe Grüße

Ihr Volker Schulz, Brustzentrumsleitung