Aktuelles

27.07.2010

Psychoonkologie - eine ganz persönliche Sicht

Notwendiges und Not – wendendes Wissen

Als ich kürzlich ein altes Lied mit dem Titel: „Ich will leben“ von Peter Maffay wieder hörte, erkannte ich im Refrain die Botschaft, die mir in meiner psychoonkologischen Arbeit von meinen Patientinnen in abgewandelter Form in bestimmten Phasen ihrer Krankheits-

verarbeitung immer wieder gespiegelt werden.

Ich zitiere hier auszugsweise den Refrain und eine Strophe des Lieds:

„Ich will leben, mich an jedem Tag freun. Ich will alles geben und ich hab ne Menge Spaß dabei. Ich will Leben, bis an meine Grenzen gehen. Ich will nichts versäumen, nichts verschweigen und nichts übersehn…..

Ich will an die Zukunft glauben, ohne blind zu sein, mir ab und zu erlauben wieder Kind zu sein, den Traum erleben, der mich jede Nacht weckt. Ich will von Herzen lachen und von Herzen explodieren, will Fehler machen und es gleich noch mal probieren und darf weinen, wenn das Leben bitter schmeckt…“

Um so bejahend mit der Diagnose Krebs leben zu können, bedarf es mehr als nur den frommen Wunsch zu leben. Wir alle sind eingebettet in ein komplexes Gefüge des Miteinanders von Geben und Nehmen. Es ist nötig, ausreichend über die vielfältigen Hilfen professioneller Natur informiert zu sein und im privaten Bereich zu erkennen, wo Unterstützung zu finden ist, wer um Hilfe gebeten werden kann und von wem Liebe, Verständnis und Rückhalt geschenkt wird.

Die professionelle Hilfe wird Ihnen in unserem Brustzentrum durch unsere Ärzte, die Brustschwester, die Psychologin und allen anderen Teammitgliedern zuteil. Informationen zur medizinischen Behandlung, sozialrechtliche Fragestellungen sowie die psychologischen Aspekte der Krankheitsverarbeitung sind Bestandteil eines individuellen Behandlungsplanes.

Um mit den, mit der Erkrankung einhergehenden familiären und emotionalen Belastungen fertig zu werden, ist ein miteinander Reden unabdingbar. Es ist nötig Eigenverantwortung für den Heilungsprozess zu übernehmen. Die Fragen wofür es sich lohne gesund zu werden,

welche Ziele die nächsten sein können und was z.B. Lebensqualität bedeutet, sind Beispiele für die komplexen möglichen Auseinandersetzungen mit dem Krankheitsgeschehen.

Durch fürsorglichen und achtsamen Umgang mit sich selbst und ein regelmäßiges Innehalten kann die Heilung effektiv unterstützt werden. Selbst bestimmtes bzw. mitbestimmendes Handeln in Bezug auf therapeutische Entscheidungen sorgen z.B. für bessere Verträglichkeiten, größere Zufriedenheit und können dem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit dem Geschehen gegenüber entgegenwirken. Außerdem sorgt eine bewusste Tagesgestaltung i. S. von z.B. Ernährung, Bewegung, Aktivitäten und Ruhephasen stabilisierend, um wieder in den Alltag zurück zu finden. Auch ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Gefühle, wie Wut, Angst, Trauer, Verzweiflung, Verwirrung, Ohnmacht, Hoffnung, Zweifel, u.v.a.m. das Leben mit einer Krebserkrankung begleiten und dass es erlaubt ist dieser möglichen Achterbahnfahrt der Gefühle Ausdruck zu geben. Doch verliere man nie die Freude aus den Augen über die vielen kleinen und großen, manchmal unverhofften Geschenke des täglichen Lebens.

Um sich auf die Reise durch die verschiedenen Stadien der Krankheitsbewältigung zu begeben, ist aus meiner Sicht die klare Entscheidung: „Ich will leben!“, so wie im zitierten Text (s.o.), immer die Vorraussetzung für ein erfolgreiches Miteinander zwischen professionellen Helfern, der Patientin und allen anderen Beteiligten.

Hayke Orloff, Diplom-Psychologin



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